Lina Bo Bardi: Brasiliens alternativer Weg in die Moderne

Lina Bo Bardi: Brasiliens alternativer Weg in die Moderne

Sie baute für die breite Öffentlichkeit, verband ihre Gebäude mit der Natur und hat dazu beigetragen, die architektonische Moderne nach Brasilien zu bringen.

Italienische Wurzeln

Ab 1934 studierte Lina Bo Bardi Architektur in Rom und arbeitete später in Mailand für Architektur- und Modezeitschriften. Mit Ihrem Mann, dem Galeristen und Journalisten Pietro Maria Bardi, reiste sie nach Brasilien – und blieb.

Ein Wohnhaus im Grünen

Der umwerfende Blick auf Sao Paulos grünen Stadtteil Morumbi ist sicher das Schönste an Bo Bardis privatem Wohnhaus – das „Glashaus“, das sie 1951 als erstes Gebäude errichtete. Eine breite Verglasung auf drei Seiten des Baukörpers bildet den Ausguck für das Naturschauspiel draußen. Elf Stahlstützen tragen das Haus, das über einen Hang hinaus ins Freie ragt und einem das Gefühl vermittelt, mitten im Grünen zu stehen.

Im verborgenen Privatbereich merkt man die italienische Prägung der Architektin: Hier meint man, sich in einem Bauernhaus mit klassischer Raumaufteilung zu befinden.

Es geht rund: Casa do Chame Chame

Mit dem Wohnhaus von Ruben Nogueira kommen Rundungen in Lina Bo Bardis bisher streng kubische Bauten. Die Räume fließen in Spiralen ineinander. Und es geht noch organischer: Die Form umschlingt Form einen Jackfrucht-Baum – und auch Dach und Terrassen sind von Pflanzen bewachsen. Am Ende steht ein Haus mit trapezförmigem Grundriss und abgerundeten Kanten, mit Terrassen und Rampen in Salvador. Heute kann man diesen Wendepunkt in Bo Bardis Schaffen leider nicht mehr bewundern – das Haus wurde 1984 abgerissen.

Museum mit Aussicht

Theater, Auditorium, Bibliothek, Restaurant und natürlich jede Menge Ausstellungsfläche finden Platz im Museu de Arte de Sao Paulo. Das Gebäude hat zwei Etagen unter dem Straßenniveau – doch visueller Anziehungspunkt ist definitiv der Glaskubus, der sich über zwei Geschosse erstreckt und von zwei roten Spannbetonträgern getragen wird, sodass es in der Luft zu schweben scheint. Ist man drinnen, lohnt der Blick nach draußen: Die riesigen Glasflächen bieten einen spektakulären Blick auf die Stadt.

Soziales Bauen in Sao Paulo

1985 brach eine bessere Zeit für das ruinöse Viertel Centro histórico da Bahia an. Die Architketin nahm sich einzelner bedeutender Bauten für Kunst und Kultur an. Das kam unter anderem zwei Altbauten mit historischen Fassaden zu Gute. Die Häuser wandelte sie in ein Zentrum für afro-brasilianische Kultur um: das Casa do Benin. Aus Benin stammte der Großteil der Bevölkerung Salvadors, und das Zentrum sollte dem kulturellen Austausch dienen. Das schlägt sich auch in der Bauweise nieder: Ein Restaurant lehnt sich an afrikanische Lehmbauten an.

Eine arme Kirche

„Architectura povera – eine arme Architektur, aber nicht in dem Sinne, dass sie verarmt ist, sondern in einem handwerklichen Verständnis. Ein Maximum an Kommunikation und Würde mit einem Minimum an bescheidenen Mitteln.“

Getreu diesem Grundsatz hat die Architektin die Capela Santa Maria dos Anjos errichtet. Sie liegt in einer ländlichen Kleinstadt und ist eingebettet in dichten Wald – aus dem sie unübersehbar in Rot hervorsticht. Lina Bo Bardi verwendet schlichte Materialien, und auch die Formgebung vermeidet, im wörtlichen Sinn, Schnörkel. Ein Dach aus Stroh bedeckt den sieben Meter hohen Quader. Modernes darf dabei aber nicht fehlen: Stahlbeton verstärkt die tragenden Elemente.

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Bildquellen: Markus Lanz, 2014 | Arquivo ILBPMB | Arquivo ILBPMB, Foto: Peter Scheier, 1951 | Nelson Kon, 2002 | Shutterstock

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